Kai-Erik hat von Frau Prof. Hägg die Erlaubnis erhalten, die Übersetzung ihres Artikels zu veröffentlichen. Vielen Dank an dieser Stelle an Frau Prof. Hägg und Kai-Erik Ballak.
Ich möchte meinen Blog-Lesern diesen Artikel nun ans Herz legen:
Das Interesse der Öffentlichkeit für archäologische Arbeit ist groß und neue Errungenschaften auf diesem Gebiet werden verhältnismäßig viel Platz in den Medien, in der Populärliteratur, in Ausstellungen und anderen Zusammenhängen bereitet. Wie zuverlässig sind dann die in dieser Weise vermittelten Ergebnisse und wie repräsentativ sind sie für die archäologische Forschung?
Den gesamten Atikel gibt es auf http://www.haithabu-tagebuch.de/artikel/haegg_tracht_2010.html
(@Kai-Erik: *hihi* das sehe ich jetzt erst: das Headerbild auf der Seite zeigt ja meine obere Trägerrockabschlusskante!
Sehr schön, da sieht man endlich mal die “ripsartige Tuchbindung”
)


Klar, zum Thema Trachten gehört halt auch eine Aufnahme von einer Tracht.
Der Artikel beinhaltet zu der betreffenden Tracht im Prinzip zwar nichts Neues, allerdings untermauert die Bezugnahme auf diese Tracht und dem Umgang mit dieser gerade die Thesen im letzten Absatz; der das eigentliche Thema behandelt.
Das “blinde” Kopieren in Kostümvereinen, Darstellergruppen und
Esotherikzusammenschlüssen wird sich nicht verhindern lassen – dort
geht es um andere Erlebnisse als die Freude an wissenschaftlicher
Arbeit.
Unerfreulich wird es dort wo solche Bilder und Darstellungen in
“historisch/wissenschaftliche” Beiträge in den Medien übernommen werden
- oder sogar zur Dekoration bei Museumsfesten oder
Bildungseinrichtungen werden.
Dein Trägerrockschnitt wird kopiert weil einige nur das Können, nämlich kopieren ohne nachzufragen.
Andere wiederum, wie meine Freundin zum Beispiel, ist über deinen Blog gestolpert als sie angefangen hat sich einen Überblick zu verschaffen was es schon alles gibt in der “Wikinger” (böses Wort) Szehne. Da hat sie dann nun deinen Schnitt entdeckt und fand ihn interessant. Daraufhin haben wir jedoch nicht nur einfach kopiert sondern uns erst “Textielfunde aus dem Hafen von Haithabu.” als vernleihe geholt und das Buch “Textielfunde aus der Siedlung und den Gräbern von Haithabu.” gekauft. Nachdem wir diese dann durchgearbeitet hatten, mit besonderem Augenmerk auf die Trägerrock Fragmente, sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass dein Rekonstruktionsansatz sehr stimmig und zumindest für uns Laien anhand der anderen Funde wahrscheinlich ist.
Deshalb haben wir deinen Schnitt verwendet und du solltest keinesfalls deinen Blog schließen weil du damit nur der Diskusion die du dir wünschst entgegenwirkst. Zumindest meiner bescheidenen Meinung nach.
Danke für Deine Rückmeldung, Bering. Das fehlt mir so manches Mal.
geht es um andere Erlebnisse als die Freude an wissenschaftlicher
Arbeit.”
“historisch/wissenschaftliche” Beiträge in den Medien übernommen werden
- oder sogar zur Dekoration bei Museumsfesten oder
Bildungseinrichtungen werden.”
Ich werde die neue Ausstellung im Sommer sehen, wenn ich zu Recherchezwecken in Schleswig bin. (* privat* ich melde mich vorher)
Schade ist es, wenn solche Arbeiten nicht zur öffentlichen Vergabe ausgeschrieben werden ……….
Schleswig? Schloss?
Nun, die meisten Darstelller in den einzelnen Szenenbereiche wollen nurSpaß, mal von der heutigen (und auch vielfach als “Stressig” bezeichnete) Gegenwart abschalten. Ist auch völlig legitim. Wenn dabei sogar einwenig die Geschichtsinteresse geweckt wird, dann um so erfreulicher. Ein Problem wird erst daraus, wenn die Darsteller damit anfangen, Geschichte nach deren persönlicher Meinung, ohne vorherige Recherchean Besucher zu vermitteln und daher Geschichtsverfälschung betreiben! Den Schaden, den sie damit anstellen, wollen (nach zwei Jahre Erfahrung mit der “Szene”) viele nicht sehen und machen verbissen einfach weiter. Ganz schlimm wird es sogar, wenn die erkannt haben, dass man damit sogar Geld verdienen kann. Dann werden Mitbewerber, die aufgrund ihrer recherchierten Trachten erheblich teurer sind, von den Kostümträger rücksichtslos aus dem Geschäft gedrängt. Leider beteiligen sich immer mehr Museen mit daran, da für eine ordentliche Recherche Fachleute (sei es nun Laien oder Studierte) benötigt werden, die aber halt Geld kosten. Auch die Herstellung derTrachten kostet halt (vermeintlich, weil eigentlich nicht richtig) mehrGeld, als die Herstellung von Kostüme. Frau Professorin Inga Hägg hat nur das geschrieben, was vieleArchäologen denken aber wegen dem Arbeitgeber nicht auszusprechen wagen. @Michaela: Mit Raubkopierer wirst du leider auch in der Zukunft leben müssen aber deswegen aufgeben und alles hinwerfen? Nein, denn die Geschichte ist am Ende das, was wir daraus machen und ich will am Ende keine Wikinger mit Trinkhörner am Gürtel und Stofffetzen am Körper sehen. Sondern eine eisenzeitliche, skandinavische Tracht mit all der Pracht, die es wahrscheinlich gegeben haben mag. Und dafür kämpfe ich!
“Frau Professorin Inga Hägg hat nur das geschrieben, was vieleArchäologen denken aber wegen dem Arbeitgeber nicht auszusprechen wagen. ”
……. Gründe aus denen heraus ich für einige Einrichtungen und Museen nicht mehr arbeite.
(Oder auch schon mal eine Rechnung stelle, die angemessen ist.
Kalkulation ist ein wichtiger Bestandteil meines Berufs, das läßt sich
auch auf andere Gebiete übertragen )
Da bin ich auch in einem Gewissenskonflikt.
Auch wünsche ich mir eine bessere Zusammenarbeit: Archäologen haben doch nicht FÜR ALLES Zeit; man könnte doch handwerkliches Geschick und Zeit zur Verfügung stellen und Vieles unter Anweisung der Fachleute herstellen.
Eigentlich sollte man für jeden Erwerb Rechnungen schreiben und diese entsprechend steuerlich geltend machen …
Ich habe im letzten Jahr für eine ehrenamtliche Leistung eine
Spendenquittung erhalten – das halte ich für eine sehr schöne Lösung.
Positive Beispiele für enge Zusammenarbeit zwischen
Fachleuten/Forschung bzw. Vermittlung gibt es zum Glück auch. Ich mache
eigentlich sehr viele Projekte unendgeltlich mit – habe dabei aber sehr
viel gelernt und interessante Einblicke erhalten. Was auch meinen Leistungen im Studium wieder zu Gute kommt.
Nun, Aufwandsentschädigungen gebe ich bei der Steuererklärung natürlich an; es reichen bis zu einer bestimmten Grenze Kontoauszüge. Es gibt leider zu viele Leute, die so etwas nicht angeben.
Moin,
etwas ab vom eigentlichen Thema, hin zu der ripsartigen Tuchbindung:
Ist auf dem Bild etwas schlecht zu erkennen, hast du da den Schußfaden doppelt?
Dies zeigt anschaulich: Fotos sind die visuelle Form der “stillen Post”; es wird nie die gesamte Realität wiedergegeben.